17.09.2019

Türen durch Lock-Picking öffnen

Normalerweise ist das Öffnen von verschlossenen Türen nur Schlüsseldiensten vorbehalten. Immer mehr Leute interessieren sich allerdings für die Schlösser und sehen es als Puzzle an, diese zu öffnen. Dieses Hobby wird als Lock-Picking beschrieben. Doch was steckt eigentlich hinter dieser Freizeitgestaltung, ist es überhaupt legal und wie kann es durchgeführt werden?

Was ist Lock-Picking?

Lockpicking beim Schlüsseldienst
Für das Öffnen verschlossener Türen oder andere Schlösser gibt es verschiedene Techniken. Die Variante mit der Kreditkarte, die einmal durch den Türspalt gezogen wird ist dabei eine der einfachsten Möglichkeiten, hat allerdings mit dem eigentlichem Lock-Picking nichts zu tun.

Beim Lock-Picking geht es darum, durch geschickten Einsatz des Werkzeuges das Schloss zu öffnen. Dabei wird keine Gewalt aufgebracht und das Schloss zerstört, sondern der Schließmechanismus ausgetrickst. Der Reiz besteht darin, die verschiedenen Schließmechanismen zu überwinden. Die Schlösser stellen eine Art Rätsel dar, die von den „Lock-Pickern“ gelöst werden. Selbst Tresorschlösser stellen für begabte Schlossöffner kein Hindernis dar.

Dennoch gelten klare Regeln, um einen Missbrauch vorzubeugen. Denn Lock-Picking muss von illegalen Aktivitäten abgegrenzt werden. Beim Lock-Picking zählt lediglich die Herausforderung, ein Schloss ohne Beschädigung zu öffnen. Das Eindringen in verschlossene Räume, oder das Öffnen von Fahrzeugen steht nicht auf dem Programm und wird von den aktiven Lock-Pickern klar untersagt.

Zu einer Grundregel gehört, dass nur Schlösser geöffnet werden, die einem selber gehören. Das heißt, die Schlösser werden speziell für diese Freizeitgestaltung erworben und unter Anderem mit anderen Mitgliedern getauscht. So soll verhindert werden, dass das Wissen auf illegale Weise angewandt wird.

Dennoch gewinnen die Lock-Picker wichtige Erkenntnisse in der Schlosstechnik. Diese können Sie aber dazu nutzen, um das eigene Haus besser abzusichern und Einbrechern das Eindringen zu erschweren.

Lock-Picking als Sport

Da das Lock-Picking als reine Freizeitgestaltung angesehen werden kann und der sportliche Ehrgeiz im Vordergrund steht, haben sich verschiedene Gruppierungen gebildet. Eine der größten Gruppierungen ist der Verein der „Sportfreunde der Sperrtechnik“.

Diese ist deutschlandweit organisiert und verfügt über mehr als 1.500 Mitglieder, die der gleichen Leidenschaft nachgehen. In vielen Städten gibt es lokale Ableger und Gruppierungen, die sich regelmäßig treffen, um neue Schlösser zu öffnen.

Deutschland gilt dabei als Vorreiter der Organisation des Lock-Pickings. Im Jahre 1997 wurde der Verein „Sportfreunde der Sperrtechnik“ gegründet und seitdem haben andere Länder nachgezogen und eigene Organisationen gegründet.

Um die sportlichen Fähigkeiten zu testen, gibt es sowohl in Deutschland als auch in den Niederlanden jährlich eine große Veranstaltung, bei der die besten Sportler gegeneinander antreten, um Schlösser zu öffnen. Hierbei gibt es verschiedene Disziplinen in denen die Schlossöffner ihr Können beweisen.

Eine Disziplin liegt in der Schnelligkeit. Denn beim Lock-Picking kommt es größtenteils gar nicht darauf an, ob ein Schloss überhaupt „knackbar“ ist, sondern nur wie schnell es geöffnet werden kann. Das perfekte unknackbare Schloss gibt es nicht und so stehen die Lock-Picker vor anderen Herausforderungen.

Von geübten Sportlern können die meisten Schlösser innerhalb weniger Minuten geöffnet werden. Zu Nutzen machen sich die Lock-Picker, die Ungenauigkeiten in der Fertigung. In Kombination mit Ihrem Werkzeug können Sie auf diese Weise die Schlösser mit wenigen gezielten Handgriffen öffnen. Speedpicking wird diese Disziplin genannt, bei der die Zeit ein wichtiger Faktor ist.

Eine andere Disziplin ist das blinde Öffnen von Schlössern. Hierbei werden verschiedene Schlösser in einen Sack gesteckt, die von einem Lock-Picker geöffnet werden müssen. Die Schlösser verbleiben im Sack und von Außen sind diese nicht einsehbar. Erst wenn alle Schlösser schneller geöffnet wurden als beim Konkurrenten ist diese Disziplin gewonnen.

Darüberhinaus gibt es auch Herausforderungen, bei denen Schlösser in die Einzelteile zerlegt und danach wieder zusammengebaut werden.

Nicht nur auf Turnieren, sondern auch auf anderen Veranstaltungen wird das Lock-Picking präsenter. So gibt es bei der Hacker Veranstaltung „DEFCON“ einzelne Bereiche, die für das Lock-Picking reserviert sind.

Bei der Ausübung des Sportes steht die ethische Anwendung der Fähigkeiten immer im Vordergrund. Wer sich die Fähigkeiten aneignen möchte, um Fahrzeuge zu öffnen oder andere illegale Aktivitäten durchzuführen, der wird von den Organisationen ausgeschlossen.

Was wird für das Lock-Picking benötigt

Nun stellt sich natürlich die Frage, mit welchen Werkzeugen die meisten Schlösser eigentlich geöffnet werden können. Intuitiv würde man denken, dass teures Spezialwerkzeug für Schlüsseldienste zum Einsatz kommen muss, mit denen selbst die kompliziertesten und teuersten Schlösser geöffnet werden können.

Lockpicking Dietrichset
Die Realität der Lock-Picker sieht allerdings anders aus. Sie kommen mit relativ einfachen Werkzeugen sehr weit. Das Werkzeug erinnert eher an das Besteck, dass beim Zahnarzt zum Einsatz kommen könnte und nicht für das Öffnen von Schlössern geeignet ist.

Das Grundwerkzeug wird als Spanner bezeichnet. Dieses wird in das Schloss eingeführt und die Zylinder werden mit dem Spanner auf Spannung gehalten, daher auch der Name. Der Spanner ahmt die Funktion eines Schlüssels nach. Werden alle Pins durch den Spanner nach unten gedrückt, kann das Schloss geöffnet werden. Der Spanner besteht bei Profis aus einer Carbonlegierung. So werden beim Zylinder keine Spuren hinterlassen und das Schloss wird in keinster Weise beschädigt. Spanner aus Edelstahl hinterlassen kleine Kratzer innerhalb des Zylinders. Diese sind zwar nur kleine optische Makel, für einen engagierten Lock-Picker stellt dies aber kein perfektes Ergebnis dar.

Während der Spanner eher das Grobwerkzeug ist, ist der Hook das filigrane Werkzeug, mit dem die Pins abgetastet werden. Wird ein Pin mit dem Hook auf die richtige Position gebracht, werden diese mit dem Spanner in der Position gehalten. Schritt für Schritt tastet sich der Hook vorwärts, bis alle Pins in der richtigen Position sind. Der Hook hat ein gebogenes Ende, um die Pins besser bewegen zu können.

Hook und Spanner sind die beiden Grundwerkzeuge, die in den Händen gehalten werden. Darüberhinaus gibt es noch andere Zusatzwerkzeuge, die bei bestimmten Fällen eine Anwendung notwendig machen. Der Tropfendiamant wird für besonders feine Arbeiten benötigt. Von Schlüsseldiensten wird der Tropfendiamant am meisten eingesetzt.

Wenn Sie also bspw. einen Schlüsseldienst in Oberhausen anrufen, dann wird dieser Ihr Türschloss auf eine ähnliche Weise öffnen können, wie es die meisten Lock-Picker auch tun. Mit wenigen Handgriffen und geschicktem Vorgehen werden die Werkzeuge so bewegt, dass die Pins in die richtige Position gebracht werden.

Zwar ist jedes herkömmliche Schloss knackbar, dennoch gibt es andere Sicherungsmöglichkeiten, die Sie für Ihre Wohnung oder Haus verwenden sollten. Mit den richtigen Sicherungsmaßnahmen erhalten auch Lock-Picker keinen Zutritt zu Ihrem Grundstück.



Autor: Jürgen Frenzel

Autor: Jürgen Frenzel

ist Schlüsseldienstler aus Leidenschaft und auch im Web ist er zuhause und publiziert
gerne Artikel über die Themen Sicherheitstechnik, Einbruchschutz und Schlüsseldienste.